Sommergäste 2026
Erläuterungen zu den ausgestellten Bildern von Andreas Streun in der Reihenfolge der Hängung.

"Hello Earth" stellt die Seele der Erde dar, Hüterin von Mineralien, Fossilien und Kristallen. Der Titel bezieht sich auf den gleichnamigen Song von Kate Bush, der mit den deutschen Worten "Irgendwo in der Tiefe gibt es ein Licht" endet. Das Motiv entspricht der Hofkarte "Prinzessin der Scheiben (Erde der Erde)" in einem (noch unvollendeten) Tarot-Spiel.
Das Bild enstand als Übung in altmeisterlicher Mischtechnik im Rahmen eines Kurses bei Prof. Philip Rubinov-Jacobson in Reichenau an der Rax bei Wien: Mit weißer Eitempera werden die Lichter und Formen gestaltet und mit lasierender Ölfarbe die Farben angelegt. Schatten werden niemals gemalt sondern entstehen durch die Überlagerung der Lasuren, was ihrer Nichtstofflichkeit entspricht.

Besprechung der ersten Tempera-Untermalung von "Hello Earth" mit Prof. Ernst Fuchs (1931-2015), dem Altmeister und Mitbegründer der Wiener Schule des phantastischen Realismus.

"Wurstmann" ist die satirische Darstellung des materiell orientierten Menschen: Er sieht nichts. Gesicht, Geschlecht und höhere Werte ("Heiligenschein") sind bei ihm alles Wurst.

"Jalousie" drückt den aufrichtigen Wunsch nach nüchterner Selbsterkenntnis aus. Die Jalousie (englisch "blinders") öffnet sich, die Verblendung lichtet sich, die Ungeheuer verdrängter Ängste und Verletzungen werden sichtbar und können therapeutisch bearbeitet werden. Es ist höchste Zeit, denn der abkippende Tisch deutet an, dass etwas schief gelaufen ist.

"Der letzte Mensch" bezieht sich auf "Also sprach Zarathustra" von Friedrich Nietzsche: "'Wir haben das Glück erfunden' sagen die letzten Menschen und blinzeln." (Zarathurstras Vorrede, 5): Die Perfektion wurde erreicht aber sie mündet in Leere. Der letzte Mensch kennt kein Ziel, das über ihn hinaus weist. Müde liegt er in seiner komfortablen, sauberen, künstlichen Welt. Nur eine Roboter-Frau ist noch bei ihm. Die Bronze-Reliefs zeigen Personen die dieses Bild inspirierten, v.l.n.r Laurie Anderson, Ernst Jünger, Friedrich Nietzsche, Gilles Deleuze, Brian Eno.

"Wie eine Kerze im Wind" ist das vierte Bild aus dem achtteiligen Zyklus "Bardo", der von einer Beschreibung des Dalai Lama inspiriert ist ("Der Weg zum Glück"). Bardos sind die Phasen seelischer Zustände, die im Sterbeprozess durchlaufen werden. Der vierte Bardo ist die letzte Phase der Auflösung materieller Gebundenheit. Das Leben erscheint im Rückblick als Ganzes in der zeitlosen Schau von Jugend, Erwachsensein und Alter. Es ist flüchtig wie eine Kerzenflamme, die im Wind erlischt...

"Liegender Akt (m/w/d)": Diese "politisch korrekte" Aktdarstellung karikiert die neue Prüderie im Rahmen der Wokeness.
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"Ratloses Paar" und "Ein Regentag im Wald", Bild 2 und 4 des fünfteiligen Zyklus' "Vorzeichen einer Zeitenwende" entstanden aus spontanen Kritzeleien. In diesem Sinne sind sie dem Surrealismus zuzuordnen, der aus unbewussten Inhalten wie Träumen, Visionen und Assoziationen schöpft und nichts erklären kann und will.
Die letzten vier Bilder gehören zu dem achtteiligen Zyklus "Holzkopf": Die Holzpuppe steht für den Menschen in seiner Naivität und Unwissenheit.

"Das Licht der Erkenntnis" zeigt symbolisch wie die Selbsterkenntnis ihr Feuer von der eigenen Substanz nimmt, was nicht ohne Verluste und Schmerzen geschieht. Das Kamikaze-artige Stirnband trägt die altgriechische Inschrift γνῶθι σεαυτόν ("Erkenne dich selbst!")

"Die Zelle" zeigt einen Zustand der Gefangenheit im Vergangenen, das Beharren auf einem Schmerz über einen Verlust. Die Erinnerungen werden in der Schatztruhe aufbewahrt anstatt sie zu bearbeiten. Die Blumen sind längt verwelkt.

"Nach dem Regen" zeigt wie die Holzpuppe zu ihrer eigenen Verwunderung neues Leben hervorbringt. Aus dem Holz treiben kleine grüne Blätter und Blumen aus.

"Fortpflanzung" stellt Vergänglichkeit und Wiedergeburt dar. Aus der vermoderten Holzpuppe wächst ein junger Baum, der reichlich Früchte trägt.